Haftung der Inhaberin einer Pferdepension

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat in einem Urteil vom 17.06.1999 (Az. 4 U 132/98-170/99) die Berufung eines Pferdehalters als unbegründet zurückgewiesen, der die Inhaberin einer Pferdepension verklagt hatte, weil sein Pferd an einer Kolik gestorben war.

Der Kläger warf der Inhaberin der Pferdepension vor, dass sie den Tierarzt zu spät gerufen hatte, obwohl sie erkannt hatte, dass sein Pferd an einer Kolik litt. Auf Grund dieser Verzögerung hätte der Tierarzt das Pferd einschläfern müssen.
Nach Auffassung des Oberlandesgerichtes konnte der Kläger nicht beweisen, dass die Einschläferung seines Pferdes die Folge der verzögerten Hinzuziehung des Tierarztes war.

Der Senat hat hierzu ausgeführt, dass die Beklagte nur dann für den Tod des Pferdes haften würde, wenn ein pflichtgemäßes Handeln den Schaden mit Sicherheit verhindert hätte. Die bloße Möglichkeit genüge nicht.

Der Kläger vertrat die Auffassung, dass die Inhaberin der Pferdepension beweisen müsse, dass das Pferd auch bei einem früheren Hinzurufen des Tierarztes verendet wäre. Dieser Auffassung hat sich das Gericht nicht angeschlossen. Es sei Sache des Klägers zu beweisen, dass das Pferd nicht verendet wäre, wenn ein Tierarzt früher gerufen worden wäre, da diese Umstände nicht in den Verantwortungsbereich der Beklagten fallen würden. Die Beklagte hafte nur für die Erfüllung ihrer Pflichten aus dem Pferdeeinstellvertrag.

Etwas anderes gelte nur dann, wenn die Beweisführung dem Geschädigten nicht zumutbar sei. Dies sei beispielsweise der Fall, wenn es an der notwendigen Kenntnis der sich im Bereich des Schädigers abspielenden Tatsachen fehle (z.B. verdorbenes Stroh als Ursache einer Pferdekolik).

Diese Voraussetzungen für eine Beweislastumkehr lagen hier nicht vor. Die Beantwortung der Frage, ob ein früheres Rufen des Tierarztes das Leben des Pferdes gerettet hätte, hing von dem Krankheitszustand des Pferdes ab sowie von der Möglichkeit operativer Maßnahmen. Diese Umstände lagen jedoch nicht im Verantwortungsbereich der Beklagten.

Nachdem ein tierärztlicher Gutachter nicht feststellen konnte, dass bei einem früheren Erkennen der Kolik und einem sofortigen Hinzuziehen tierärztlicher Hilfe das Leben des Tieres hätte gerettet werden können, konnte der Kläger den notwenigen Beweis nicht führen, so dass die Klage abzuweisen war.

Rechtsanwalt Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar

RA Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar
Fachanwalt für Agrarrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
www.agrarjurist.de 



(Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 4/01; Informationsblatt der Nebenberuflichen Land- wirtschaft 4/2000; Landwirtschaftliches Wochenblatt Hessen-Rheinpfalz 40/2000)

 

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