Haftungsverteilung bei einem Unfall mit einem Spritzgestänge

Ein Landwirt fuhr mit seiner Zugmaschine und Spritzgestänge auf einer öffentlichen Straße, als er mit einem Pkw zusammenstieß.

Der Unfall fand in einer S-Kurve statt, wobei nicht geklärt werden konnte, ob der Landwirt auf der insgesamt nur 6 m breiten Straße mit seinem 3 m breiten Spritzgestänge auf die Gegenfahrbahn gekommen war oder ob der beklagte Fahrer des Pkw´s, der eine leichte Geschwindigkeitsüberschreitung zugab, auf die Fahrbahn des Landwirtes geraten war.

Jedenfalls trafen sich die beiden Fahrzeuge in der Kurve, wobei sich das Spritzgestänge in der Fahrertür des Pkw´s verharkte. Die Tür des Pkw´s wurde herausgerissen und das Spritzgestänge beschädigt.

Das Landgericht Paderborn hat in seinem Urteil vom 04.08.1999 (Az. 1 S 17/99-175/99) entschieden, dass dem Landwirt nicht mehr als 50 % des an dem Spritzgerät entstandenen Schadens zustehen.

Keine der Parteien konnte den Nachweis führen, dass der Unfall für einen der Unfallbeteiligten ein unabwendbares Ereignis war. Weder für den Kläger noch für den Beklagten konnte festgestellt werden, dass sie die nach den Umständen erforderliche Sorgfalt aufgewandt hatten, die nach der konkreten Verkehrssituation erforderlich war.

Da der Unfallhergang nicht aufgeklärt werden konnte, ist das Landgericht von einem hälftigen Verschulden ausgegangen, da nicht geklärt werden konnte, welche Seite den Schaden vorwiegend verursacht hat und die Betriebsgefahr eines Traktorgespannes mit einem Spritzgestänge genau so groß ist wie die eines Pkws.

 

Rechtsanwalt Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar

RA Dr. Christian Halm, Neunkirchen/Saar
Fachanwalt für Agrarrecht
Fachanwalt für Versicherungsrecht
Fachanwalt für Verwaltungsrecht
www.agrarjurist.de 



(Informationsblatt der Nebenberuflichen Landwirtschaft 4/2000; Landwirtschaftliche Zeitschrift für Management, Produktion und Technik 10/2000; Landwirtschaftliches Wochenblatt Hessen-Rheinpfalz 42/2000; Topagrar 10/2000; Landwirtschaftsblatt Weser-Ems 50/2000)

 

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